Amphibienschutz am Schiedersee

Schon bei der Hinwanderung "sichern" sich einzelne Männchen ein Weibchen


Biologische Station und ehrenamtliche Naturschützer gemeinsam aktiv

Dort wo sich heute der Schiedersee erstreckt, gab es früher in den feuchten Wiesen am Rand des Schweinebruches (oberhalb des Gasthauses "Am Fischanger") zahlreiche Erdkröten-Laichplätze. Alljährlich wanderten die Kröten aus dem Schwalenberger Wald zu den kleinen Teichen am Rande der Emmeraue.

Überfahrene Erdkröte

Lebensgefährliche Wanderung

Zweimal jährlich - auf der Hinwanderung im März/April und bei der Rückwanderung wenn die Erdkröten im April/Mai wieder ihre Sommerlebensräume im Wald aufsuchen - müssen sie die stark befahrene Landstraße zwischen Schieder und Lügde überqueren. Tausende Erdkröten fanden hierbei den Tod. Vermutlich wäre dieser Laichplatz heute völlig verwaist, wenn nicht seit Jahren Mitarbeiter der Biologischen Station sowie ehrenamtliche Naturschützer aus Schieder und Lothe den Erdkröten helfen würden, sicher über die Straße zu kommen.

Wanderungszahlen der Erdkröte am Schiedersee
Variabler Schutzzaun am Seeufer
Im Oktober 2013 errichtetes festes Leitsystem für die Rückwanderung.

Variabler Amphibienzaun am Seeufer wird ersetzt durch ein fest installiertes Leitsystem

Alljährlich wurde mit Ablauf der Hinwanderung ein variabler Krötenzaun am Seeufer installiert. Angesichts der knapp 500 m Zaunlänge bedeutete dies immer wieder einen enormen Arbeitseinsatz, den die Euwatec zu leisten hatte. Aktuell wird auf der Seeseite von Mitarbeitern von Straßen NRW ein festes Leitsystem, wie auch auf der anderen Seite der Straße, errichtet.

Da die Rückwanderperiode wesentlich länger dauert, wurde die Einsatzbereitschaft der Helfer auf eine besonders harte Probe gestellt. Jährlich werden so an ca. 60 bis 80 Einsatztagen im Jahr durchschnittlich 2.000 bis 4.000 Erdkröten über die Straße getragen - und fast ebensoviele auf der Rückwanderung. Aber der Aufwand hat sich gelohnt!

38.000 in den letzten 14 Jahren vor dem Verkehrstot gerettete Erdkröten (zuzüglich Rückwanderung) sind eine eindrucksvolle Bilanz für den aktiven Naturschutz!! Die Schwankungen zwischen den Jahren beruhen darauf, dass nicht alle Erdkröten in jedem Jahr zum Laichplatz wandern.

Diese Bilanz zeigt auch, dass der Laichplatz am Schiedersee nach wie vor eine der größten Erdkröten-Populationen des Schwalenberger Waldes beherbergt - Tendenz steigend! Seit nunmehr sechs Jahren ist die Population kontinuierlich gewachsen und hat sich seitdem verdreifacht. In diesem Jahr wurden allein auf der Hinwanderung 4200 Tiere gezählt.

Dass die Erdkröten-Population am Schiedersee insgesamt in Zunahme begriffen ist, ist auch daran erkennbar, dass in zunehmendem Maße Verkehrsopfer im Bereich der Straße auf der Staumauer zu beklagen sind. Hier wäre ein zusätzliches Amphibienleitsystem vonnöten.

Wir danken allen ehrenamtlichen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz!

Aufgrund der hohen zeitlichen Arbeitsbelastung und der aufwändigen Organisation der Amphibienbetreuung ist mittelfristig der Bau eines Amphibientunnels dringend erforderlich. Dann könnten nicht nur die ausgewachsenen Erdkröten gefahrlos auf die andere Straßenseite gelangen. Auch die erst spät im Sommer abwandernden Jungkröten könnten dann gerettet werden.

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