Sanierung historischer Tränken im Teutoburger Wald

Teutoburger Wald | Foto: M. Füller

Heute sind die Gebirgsketten des Teutoburger Waldes von Wald bedeckt. Das war jedoch nicht immer so. Die Senner Pferde des lippischen Fürstenhauses, das zur Waldweide getriebene Vieh, vielfältige Waldnutzungen (Glashütten, Köhlerei) und nicht zuletzt großflächige Wildgatter hatten zu einer starken Auflichtung des Waldes geführt. In den lichten Waldresten und auf Freiflächen mit verstärktem Graswuchs hatte sich das Futterangebot für Wild und Vieh stark verbessert.

Historische Wild- und Viehtränken

Die Versorgung des Viehs und des aus jagdlichen Gründen gehegten Wildes mit Wasser war ein großes Problem. Es gibt zwar hohe Niederschlagsmengen, diese versickern jedoch in den klüftigen Plänerkalken und den umfangreichen Flugsandablagerungen in Taleinschnitten im Übergang zur Senne sehr schnell. Deshalb wurden bereits im 17. Jahrhundert im lippischen Teil des Teutoburger Waldes Viehtränken angelegt.
Hierbei handelte es sich um in Geländevertiefungen angelegte „Himmelsteiche“, die mit einer undurchlässigen Schicht aus Lehm ausgekleidet waren und durch Niederschläge gefüllt wurden. Diese vom Menschen angelegten Gewässer entwickelten sich zu wertvollen Lebensräumen. Mit der Einstellung der Hudewirtschaft und der Aufgabe der Freilandhaltung der Senner Pferde verloren die Tränken ihre ursprüngliche Funktion und wurden nicht mehr unterhalten. Mittlerweile sind sie weitgehend verlandet und für eine Reproduktion von Amphibien (und Libellen) nicht mehr geeignet.

So wie am Winfeld könnte es an vielen Stellen ausgesehen haben | Foto: H. Brinkmann
Historische, weitgehend verlandete Tränke

Wiederherstellung historischer Kulturlandschaftslebensräume

Neuer Laichplatz an historischer Stelle | Foto: M. Füller

In der Folge sind viele Arten verschwunden, die für diese mitten im heutigen Wald liegenden Kulturlandschaftslebensräume ehemals typisch waren. So ist der noch 1997 bei Berlebeck vorkommende Kammmolch  inzwischen im Gebiet ausgestorben. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2007 in Zusammenarbeit mit Revierförster Windmann von der Fürstlichen Forstverwaltung - finanziert durch den Kreis Lippe -  eine dieser historischen Tränken wiederhergestellt. Bereits im nächsten Jahr wurde das Gewässer von Berg- und Fadenmolch, Grasfrosch und Erdkröte wieder besiedelt.

März 2014 - Neues Kooperationsprojekt

Der Erfolg der ersten Maßnahme hatte Mut gemacht. Deshalb kam die Initiative der Sparkasse Detmold-Paderborn, die im Jahr 2013 Vereine und Initiativen dazu aufrief "Projekte des Jahres" im Bereich Umweltschutz zu benennen, gerade recht. Der von der Biologischen Station eingereichte Förderantrag zur Sanierung einer weiteren historischen Wild- und Viehtränke im Teutoburger Wald wurde mit 5.000,- € unterstützt. Über Revierförster Windmann von der Forstverwaltung des Lippischen Fürstenhauses wurde der Kontakt zu Stephan Prinz zur Lippe hergestellt, der die Finanzierung der fehlenden Restmittel übernahm und sein Einverständnis zur Durchführung der Maßnahme auf seinen Flächen erklärte.

Somit konnte es im März 2014 mit tatkräftiger Unterstützung durch Revierförster Windmann losgehen. Die Firma Erdbau Haake setzte die Maßnahme in hervorragender Weise um.

Ausgangszustand
Von der Forstverwaltung freigestelltes Gewässer
Einweisung durch Revierförster Windmann
Überprüfung der Sedimentstärke
Roden der Baumstubben an der zukünftigen Uferlinie
Anfahren von zusätzlichem Lehm
Einbau des Lehms
Noch ohne Wasser
| Fotos: M. Füller

Durchführung

Bei der Überprüfung der vorhandenen Sedimentstärke wurde über dem dicht an der Erdoberfläche anstehendem, klüftigen Kalkgestein eine alte, etwa 30-40 cm mächtige Lehmschicht festgestellt. Angesichts der Lage der Tränke auf einer Bergkuppe und den damaligen technischen Möglichkeiten haben die Erbauer der historischen Tränke eine ungeheure Arbeits- und Transportleistung erbracht.

Heute geht es mit Einsatz schwerer Maschinen wesentlich schneller und einfacher. Nach der Entschlammung und Profilierung der Mulde wurden zusätzlich rund 40 qbm Lehm neu angefahren und in einer 20-30 cm dicken Schicht im Bereich der ansteigenden Uferwälle eingebaut, um so die Wasserhaltung zu verbessern.

Ein neuer Lebensraum

Bis zur Besiedelung des frisch angelegten Gewässers wird angesichts des extrem trockenen Frühjahres noch einige Zeit vergehen.

Nach der Fertigstellung
Der Grasfrosch laicht schon ab
April 2015:
gefüllt bis zum Rand| Fotos: M. Füller

Danksagung

Wir danken der Sparkasse Paderborn-Detmold und dem Lippischen Fürstenhaus für die großzügige finanzielle Unterstützung dieser Naturschutzmaßnahme und für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Vor allem danken wir Herrn Jürgen Windmann für die stetige Begleitung und Unterstützung dieses Gemeinschaftsprojektes.

Mai 2016 - Sanierung der Tränke auf dem Mettelnkopf

Dank einer großzügigen Förderung durch die Adolf-Deppe-Stiftung und der Kooperationsbereitschaft des Lippischen Fürstenhauses und von Revierförster Windmann konnte im Mai 2016 im FFH-Gebiet Teutoburger Wald auf dem Mettelnkopf eine weiteres stark verschlammtes Gewässer wieder als potentieller Amphibien-Lebensraum hergerichtet werden

Aufgrund der räumlichen Entfernung zu den vorher gegangenen Projekten ist dieses Gewässer ein weiterer Trittstein für eine mögliche Wiederbesiedelung des Gebietes durch den gefährdeten Kammmolch.

Verschlammtes, früh austrocknendes Gewässer im Jahr 2014
Anfahren von Lehm, Mai 2016
Profilierung und Abdichten der Mulde
Zustand im Juli 2016 | Fotos: M. Füller