Zur Situation des Rotmilanes im Kreis Lippe

Foto: R. Haase

Von uns abhängig - der Weltbestand des Rotmilans

In der Regel gilt die dicht besiedelte Bundesrepublik Deutschland nicht gerade als Rückzugsgebiet gefährdeter Arten. So ist es schon etwas verblüffend, dass über 50 % des Weltbestandes des Rotmilans bei uns brüten. Aus diesem Grund trägt Deutschland eine besondere Verantwortung für die Erhaltung des weltweiten Rotmilanbestandes. Nicht zuletzt deshalb gehört der Rotmilan zu den in Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU aufgeführten Arten, für deren Schutz besondere Maßnahmen durch die Mitgliedsländer ergriffen werden müssen.

Innerhalb von Nordrhein-Westfalen bildet das Weserbergland und hier u.a. auch der Kreis Lippe einen Verbreitungsschwerpunkt. Bereits in den Jahren 2000 und 2001 hat unsere Ornithologische Arbeitsgruppe deshalb begonnen, in Teilbereichen des Kreises Lippe den Brutbestand des Rotmilans zu erfassen.

Der Kreis Lippe - ein Verbreitungsschwerpunkt in NRW

Brutverbreitung des Rotmilans im Kreis Lippe


Aber erst durch die Initiative von Jörg Westphal und Bernd Mühlenmeier vom Kreis Lippe wurde die Erfassung in Zusammenarbeit mit unserer ornithologischen Arbeitsgruppe und zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern intensiviert. In den letzten drei Jahren wurde so für den Kreis Lippe ein beeindruckender Datensatz erstellt, der die Kenntnisse zur Größe der lippischen Brutpopulation enorm bereichert hat. Entscheidend hierbei ist der hohe Anteil der lokalisierten Brutbäume. Hierdurch wird in Zusammenarbeit mit den Flächeneigentümern und den Kartierern ein effektiver Schutz ermöglicht.
2012 wurden insgesamt 57 Horste und weitere 29 Reviere kartiert, bei denen der genaue Brutplatz (noch) nicht ermittelt werden konnte. Mit rund 90 Brutpaaren stellt der Kreis Lippe eines der bedeutenden Brutvorkommen in NRW dar.

Wissenschaftliche Erforschung geht weiter

markierter Rotmilan | Foto: J. Westphal

Auf Initiative von Jörg Westphal wurden im Jahr 2012 durch Professor Oliver Krüger und Nayden Charakov von der Universität Bielefeld 19 Rot- und zwei Schwarzmilane mit Flügelmarken individuell markiert. Da die Flügelmarken auf große Entfernungen abgelesen werden können, lässt sich die Raumnutzung einzelner Vögel ermitteln. Langfristig können so Jagdgebiete und Flugrouten, aber auch der individuelle Bruterfolg, die Habitatqualität und vieles Andere besser abgeschätzt werden. Hintergrundinformationen zum Einsatz von Greifvögel-Flügelmarken in der Forschung erhalten Sie in dem Flyer "Greifvögel-Flügelmarken" der Forschungsgruppe Greifvögel an der Universität Bielefeld.

Bitte helfen auch Sie bei der Beantwortung dieser Fragen mit, indem Sie uns Beobachtungen markierter Rotmilane mitteilen (alternative Meldung an J.Westphal@kreis-lippe.de).

Lippischer Rotmilan in Frankreich fotografiert

Erste Rückmeldungen aus Frankreich

Am 12. Oktober 2012 wurde ein im Sommer bei Detmold markierter junger Rotmilan mit der Flügelmarke "RR" etwa 220 km südoestlich von Paris in Frankreich beobachtet. Vermutlich war er auf dem Zug in die weiter westlich gelegenen Überwinterungsgebiete. Bei zwei weiteren Beobachtungen in der Region konnte leider die Markierung nicht abgelesen werden. Gleichwohl, angesichts der geringen Zahl markierter Vögel, ein sehr erfreuliches Ergebnis. Auch im Kreis Unna wurde ein in Lippe erbrüteter Rotmilan im Herbst an einem Schlafplatz beobachtet. Schritt für Schritt werden wir so immer mehr über die Bewegungen "unserer" lippischen Rotmilane erfahren.

Zur Originalnachricht auf einer französischen Webseite gelangen Sie hier.

Danksagung

Ohne die Initiative des Kreises Lippe wäre die aufwändige flächendeckende Suche nach Rotmilan-Brutplätzen nie realisiert worden. Insbesondere den Auffindequalitäten von Herrn Westphal und dem Einsatz zahlreicher ehrenamtlich tätiger Beobachter, ist der rasante Anstieg der bekannten Brutplätze in den letzten Jahren zu verdanken.

Literatur

  • Westphal, J. und M. Füller (2013): Zur Verbreitung von Rot- und Schwarzmilan im Kreis Lippe. Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 82, S. 343-365.