Juni 2011 - Wiederfund des Venuskammes bei Heiden

Venuskamm - im fruchtenden Zustand unverkennbar
| Fotos: M. Füller

Vom Aussterben bedroht

Kaum eine andere Gruppe unserer Pflanzenwelt ist so stark bedroht, wie die Gilde der Ackerbegleitkräuter. Durch moderne Methoden der Saatgutreinigung, den Einsatz von Herbiziden und die Intensivierung der Bewirtschaftung verdrängt, sind viele ehemals typische Begleitarten unserer Ackerkulturen inzwischen weitgehend verschwunden. Hierzu gehört auch der zu den Doldenblütlern gehörende Venuskamm (Scandix pecten-veneris), der im Weserbergland vom Aussterben bedroht ist. Im Kreis Lippe sind zumindest nördlich des Teutoburger Waldes keine aktuellen Vorkommen bekannt gewesen.

Ackerrain bei Hedderhagen
vorgelagertes Venuskamm-Dickicht
im Schatten von Rapspflanzen | Fotos: M. Füller

Ungewöhnlicher Fund bei Heiden-Hedderhagen

Um so erstaunlicher war der Fund eines größeren Vorkommens des Venuskammes am Rand eines Rapsfeldes bei Hedderhagen durch Holger Sonnenburg. Eigentlich auf der Suche nach einer schönen Wanderroute fand er zufällig den durch die reifenden Früchte und die Mahd der Bankette momentan recht auffälligen Bestand.

Der Fundort liegt im Ablagerungsbereich saaleeiszeitlicher Geschiebemergel an den Unterhängen des Rothenberges. Auffällig war die Konzentration der Pflanzen in einem Ackerschlag. Benachbarte Rapsfelder waren - soweit vom Rand aus sichtbar - offensichtlich nicht besiedelt. Im Schatten der reifenden Rapspflanzen wuchs der Venuskamm in einem etwa 50 cm breiten Saum unter den ersten Pflanzreihen. In der von Gräsern und krautigen Arten beherrschten Bankette des Fahrweges fehlte die Art.

Venuskamm-Dickicht
Filigrane Blätter| Fotos: M. Füller

Ein bedrohter Spezialist

An den Grenzen seines Verbreitungsgebietes ist der aus dem Mittelmeerraum und Westasien stammende Venuskamm auf mäßig trockene, sommerwarme, überwiegend kalkhaltige Ton- und Lehmböden beschränkt. Durch den Getreideanbau gefördert, konnte die Art ihr Verbreitungsareal weit nach Norden ausdehnen. Mit der Intensivierung des Ackerbaues und der Aufgabe unergiebiger Standorte auf flachgründigen Böden sind viele ehemalige Vorkommen inzwischen erloschen. Ohne die regelmäßige Bewirtschaftung der Flächen wird der in den Lücken der Pflanzreihen siedelnde Venuskamm bei uns recht schnell von anderen Arten verdrängt.

In Lippe wurde der Venuskamm früher vor allem auf den ackerbaulich genutzten Muschelkalkböden im Bereich der nordöstlichen Kette des Teutoburger Waldes (z.B. Hiddeser Berg bei Detmold, Remmighausen) und  der geologischen Hebungszone der Piesberg-Pyrmonter Achse gefunden. Alte Vorkommen werden auch für den Raum Heiden zwischen Hedderhagen und Bentrup angegeben.  

Bleibt zu hoffen, dass das Vorkommen dauerhaft ist. Zumindest ein paar Samen wurden gesichert. Wenn Sie auch solche Beobachtungen machen möchten, dann sollten Sie an unseren naturkundlichen Wanderungen teilnehmen...