Juni 2012 - Mädesüß-Perlmutterfalter im Kreis Lippe nachgewiesen

Mädesüß-Perlmutterfalter besiedeln feuchte Hochstaudenfluren, Bachauen und Talwiesen mit reichen Beständen der bevorzugten Nahrungspflanze der Raupen, dem Mädesüß. Die ausgewachsenen Falter fliegen zur Zeit der Blüte von Echtem Baldrian und Sumpf-Kratzdistel. In den Mittelgebirgsregionen von NRW scheinen die Bestände dieser Art gegenwärtig zuzunehmen. Verantwortlich hierfür könnte das vermehrte Brachfallen ehemals bewirtschafteter Feuchtwiesen in diesen Naturräumen sein.

 

Mädesüß-Perlmutterfalter |Foto: H. Dudler
Echter Baldrian | Foto: M. Füller

Gleichwohl fehlte dieser hübsche Schmetterling im Kreis Lippe aus bislang ungeklärter Ursache weitgehend. Vermutlich wird in unseren Nassbrachen durch den hohen Stickstoffreichtum der Böden die Brennessel besonders stark gefördert und verdrängt das Mädesüß. Doch Mädesüß alleine genügt den Ansprüchen der Art nicht: der fertig entwickelte Falter saugt bevorzugt Nektar an den Blüten von Echtem Baldrian und Sumpf-Kratzdistel. Deshalb kann der Mädesüß-Perlmuttfalter nur in artenreichen Nassbrachen überleben.

Bevorzugte Raupennahrung - das Mädesüß| Foto: M. Füller
Blühendes Mädesüß | Foto: M. Füller

Bislang wurde der Mädesüß-Perlmutterfalter in Lippe nur unregelmäßig festgestellt. Der letzte Nachweis von 4 Faltern erfolgte im Jahr 2002 in der Umgebung des aktuellen Fundortes. Nach mehreren erfolglosen Kontrollen hatten wir befürchtet, dass die Art hier nicht mehr vorkommt. Erst eine gezielte Nachsuche im Juni 2012 in einem Feuchtgebiet im Raum Horn-Bad Meinberg erbrachte dann aber die erfreuliche Feststellung mehrerer Individuen.


Wenn auch der Mädesüß-Perlmutterfalter vom Brachfallen von Feuchtwiesen profitiert, so werden zugleich viele Tier- und Pflanzenarten verdrängt, die nur in lückigen, bewirtschafteten Feuchtwiesen überleben können. Der Nachweis dieser Art ist also nicht nur positiv. Dementsprechend sollte im Nachweisgebiet des Falters eine Bewirtschaftung erfolgen, die sowohl den typischen Feuchtwiesenarten, die auf eine schonende Nutzung angewiesen sind, als auch dem neuentdeckten „Brachezeiger“ gerecht wird. Die Erstellung solcher Maßnahmenkonzepte gehört zu den Aufgaben der Biologischen Station Lippe. 

Artenreiche Nassbrache mit Mädesüß| Foto: M. Füller