Dezember 2014 - Brandaktuell: Brandmäuse in Lippe werden anhänglich

 

Brandmäuse sind wegen ihrer schwarzen Rückenzeichnung in Kombination mit der rotbraunen Felloberseite in unserer Region unverwechselbar. Sie zählen zu den Langschwanzmäusen. Die Tiere sind oft vorwiegend tag- und dämmerungsaktiv. Da sie zudem oft nur wenig Scheu zeigen, lassen sie sich dort, wo sie vorkommen, manchmal gut beobachten.

Der wissenschaftliche Name Apodemus agrarius täuscht etwas darüber hinweg, dass die Art ein breites Spektrum von Lebensräumen besiedelt, gerne auch Gärten und Parkanlagen. Mit Einzug der kalten Jahreszeit treten Brandmäuse vermehrt in Hoflagen und Gebäuden auf.

Aus der Lebendfalle in die Freiheit | Foto: H. Sonnenburg

Brandmäuse sind von Mitteleuropa bis Ostasien weit verbreitet. Das interessante dabei: die Westgrenze ihres riesigen Verbreitungsgebietes läuft mitten durch Lippe, wie die grobe Verbreitungskarte unten veranschaulicht. Wohl deshalb ist dieses hübsche Tier hier gewöhnlich nirgends häufig und somit vielen Lippern unbekannt. Doch 2014 scheint ein gutes Jahr für Brandmäuse zu sein. So haben sie sich in Dalborn, im Herzen Lippes, deutlich vermehrt. Auch aus Sabbenhausen und dem Kalletal wird ein verstärktes Auftreten der Art gemeldet.

Das führt zu der Frage, warum diese Art den Westen unseres Kreises (noch) nicht besiedelt hat? Hierauf gibt es noch keine gesicherten Antworten. Aber vielleicht können Sie ja mit ihren Beobachtungen helfen, das aktuelle Verbreitungsgebiet dieser östlichen Nagetierart genauer zu dokumentieren. Gerade Daten zur Verbreitung von Säugetieren werden im Gegensatz zur Vogelbeobachtungen nur selten gemeldet.

 

Mitunter ist der schwarze Aalstrich nicht gut erkennbar | Foto: D. Wolter
Eine wenig scheue Brandmaus | Foto: D. Wolter

Diese Wissenslücke soll mit einem in Kürze vom Westfälischen Museum für Naturkunde freigeschalteten Verbreitungsatlas der Säugetiere geschlossen werden. Jeder wird hier in Zukunft seine Beobachtungen unmittelbar eingeben können. Alternativ können Sie Funde aber auch per Email an uns (kontakt@biologischestationlippe.de) melden. Wir leiten sie weiter. Auch Funde von den häufig übersehenen Haselmäusen und Zwergmäusen sind von Interesse.

Verbreitung der Brandmaus in Lippe, zusammengestellt nach Funddaten aus Schröpfer et al. (1984): Die Säugetiere Westfalens.

Erste Kartierungsergebnisse

Verbreitung der Brandmaus im Kreis Lippe 2014 (Stand Jan. 2015) schwarze Kreise (aktuell bestätigte, ehemalige Vorkommen); weiß (aktuell noch nicht bestätigte, ehemalige Vorkommen); rot: (neue Vorkommen in 1984 noch nicht besiedelten Bereichen).

Als Reaktion auf einen am 13.12.2014 in der Lippischen Landeszeitung erschienen Artikel zur Brandmaus haben wir bislang von 22 Beobachtern Hinweise zu aktuellen Vorkommen im Kreis Lippe erhalten. Wenig überraschend handelte es sich bei einem Großteil der Funde um in Fallen gefangene oder aber von Katzen erlegten Mäuse.

Bereits jetzt wird deutlich, dass die Brandmaus ihr Verbreitungsgebiet in das nordwestliche, lippische Bergland ausgedehnt hat.

Wir danken allen Meldern und der LZ für die Unterstützung dieser Aktion. Sollten Sie weitere Beobachtungen haben, mit denen wir das Verbreitungsbild abrunden können, so teilen Sie es uns bitte mit.