Mai / Juni 2014 - Grünwidderchen im lippischen Südosten

 

Im Gegensatz zu vielen auffällig schwarz-rot gezeichneten Widderchenarten leben die Ampfer-Grünwidderchen (Adscitia statices) bei uns in lückigen Pflanzengesellschaften über basenarmen Böden. Da sie nur selten in den schmetterlingsreichen Halbtrockenrasen des Pyrmonter-Berglandes auftreten und im Vergleich zu ihren verwandten Arten eine frühere Flugzeit haben, werden sie oft übersehen.

 

 

Die Männchen sind an den gekämmten Fühlern erkennbar
Weibliches Grünwidderchen
Je nach Lichteinfall variiert die Färbung | Fotos: M. Füller
Grünwidderchen an Ampfer

Bvorzugte Nahrungspflanze der Raupen ist der Kleine Sauerampfer. Diese konkurrenzschwache Art wächst bei uns auf den von Keuper-Sandsteinen gebildeten, früher überwiegend beweideten Böschungen an den Talrändern und Hangstufen. Die Mitte Mai bis Ende Juni fliegenden Falter nutzen das Blütenangebot der mageren Böschungen, sind aber auch in angrenzenden Feuchtbereichen zu finden. Möglicherweise findet auch hier eine Reproduktion (z.B. an Großem Sauerampfer) statt. Da diese Lebensräume in den schmalen Tälern des lippischen Südostens jedoch zumeist benachbart auftreten, ist eine Trennung der verschiedenen Öko-Formen hier nicht einfach.

Flugbereiche des Ampfer-Grünwidderchens im NSG Emmertal

 

Reste von Silikatmagerrasen auf Keuper-Böschungen
in der Wörmkeaue
Kleinflächige Nassgalle im
Eschenbachtal | Fotos: M. Füller

Verinselung der Lebensräme

Verbrachende Böschung am Rand der Wörmkeaue

War die Art früher durchaus häufig, so werden in den letzten Jahren nur noch geringe Individuenzahlen beobachtet. Eine der Ursachen ist das mit der Aufgabe der Weidenutzung verbundene Brachfallen der Silikatböschungen. Geignete Raupenhabitate mit offenen Störstellen, in denen der Sauerampfer sich behaupten kann, werden immer seltener. Stattdessen treten Gebüsche, hochgrasige Saumgesellschaften oder Adlerfarnherden auf, so dass die Restareale oft nur noch wenige Quadratmeter umfassen.

 

 

 

Die Zukunft sieht düster aus....

Der Landschaftswandel wird dazu führen, dass in naher Zukunft viele der derzeit noch besetzten Flugbereiche des Grünwidderchens verwaist sein werden. Nur an wenigen noch genutzten Stellen werden sich dann weitgehend voneinander isolierte Restpopulationen halten können.

Ziel der Naturschutzmaßnahmen muss es deshalb sein, auf möglichst vielen Böschungen wieder eine Beweidung einzuführen und den Beweidungsdruck so hoch u halten, dass hier wieder Rohbodenstellen entstehen können.

Kaum noch zu beobachten: Schlaf- und Rendezvousgemeinschaft am Köterberg im Jahr 2004
Kuckuckslichtnelken werden gerne besucht

 

Im grünen Pflanzengewirr leicht zu übersehen | Foto: M. Füller