September 2014 - Zwergfledermaus-Invasion in der FH Detmold

 

Am 09. September erhielten wir einen Anruf des Liegenschaftsbetriebes NRW. In einen Schulungsraum der Fachhochschule Detmold seien Fledermäuse eingeflogen und könnten nicht mehr hinaus. Bei einem umgehend vereinbarten Ortstermin bot sich ein faszinierendes Bild. Aus der linken Führungsschiene einer an der Wand montierten Tafel ertönte lautes Gezeter von Zwergfledermäusen. Überall im Raum verstreuter Fledermauskot ließ auf eine größere Ansammlung schließen.

 

Zwergfledermaus
Ausflug aus engem Spaltenquartier | Fotos: B. Brautlecht

Junge Zwergfledermäuse erkunden auf der Suche nach potentiellen Quartieren gezielt Spalten und Ritzen. Ab und zu fliegen sie dabei auch durch gekippte Fenster in Wohnräume ein und suchen hier Tagesverstecke auf, so wie sie es in der "freien Natur" auch tun würden. Künstliche vom Menschen hergestellte Quartiere mit glatten Innenwänden, wie z.B. Regenrohre, Blumenvasen oder - wie im vorliegenden Fall - Führungsschienen von Wandtafeln, können zu Todesfallen werden, da die Fledermäuse nicht mehr nach oben krabbeln können. Da diese Fallen zum Fliegen zu eng sind, verenden die gefangenen Fledermäuse, sofern sie nicht rechtzeitig bemerkt und befreit werden.

Eine ähnliche Tafel mit dem Einflugsbereich Quelle: Wikimedia-Commons, Lizenz: GNU-FDL, Autor: Stefan-xp

In diesem Fall war die Notlage aufgrund der Lautstärke der gefangenen Zwergfledermäuse unverkennbar. Nachdem die Hausmeister die Führungsschiene abgebaut hatten, kamen 31 bereits verendete Tiere zum Vorschein. Die Überlebenden saßen unerreichbar in der Mitte der Schiene auf einem hydraulischen Stempel. Nun war Geduld angesagt. Innerhalb von etwa 2 Stunden krabbelten 58 Zwergfledermäuse heraus, streckten die Flügel, orientierten sich und flogen ohne weitere Hilfe mehrere Runden durch den Raum und dann durch eines der geöffneten Fenster wieder in die Freiheit. Mindestens weitere 8 Tiere warteten offensichtlich die einbrechende Dämmerung ab...

Verhängnisvolle Lockrufe

Erwachsene Zwergfledermaus vor dem Abflug | Foto: M. Füller

Die in einem Quartier gefangenen Fledermäuse locken mit ihren Kontaktrufen weitere Fledermäuse an, die davon ausgehen, dass sich hier ein gutes Quartier befindet (da ja dort schon mindestens eine andere Fledermaus ist). Je mehr Fledermäuse beisammen sind, um so stärker wird die Ruffrequenz und die anlockende Wirkung. Immer mehr Fledermäuse werden so in die Falle gelockt. Und alles nur, weil die Botschaft der Fledermausrufe nur lautet "ich bin hier" und nicht "ich komme hier nicht mehr raus".

Biologisch gesehen ist dieses Verhalten durchaus sinnvoll - sonst hätten Fledermäuse nicht bis heute überlebt. Die Kontaktrufe helfen ihnen in unbekanntem Terrain bei der Suche nach geeigneten Quartieren. Zudem gibt es in der Natur normalerweise keine völlig glatten Flächen. Glücklicherweise kommen Fehlleistungen in künstlichen Quartieren, wie hier beschrieben, nur selten vor.