Pflaumen-Zipfelfalter im Kreis Lippe

 

Pflaumen-Zipfelfalter| Foto: O. Leillinger,Wikimedia-Commons-Lizenz

Der stark gefährdete Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) gehört zu einer ganzen Reihe anspruchsvoller Schmetterlings-
arten, die in den letzten Jahren bei uns fast unbemerkt verschwunden sind.

Sein Lebensraum sind zumeist von der Schlehe dominierte mäßig trockene Gebüsch- und Saumgesellschaften. Hier finden die Falter ein ausreichendes Blütenpflanzenangebot und die bevorzugten Nahrungspflanzen der Raupen. Bei uns erfolgt die Eiablage in der Regel an Schlehe, aber auch Pflaume und Zwetschge werden von den sich im Frühjahr entwickelnden Raupen befressen. Die zeitlich eng begrenzte Flugzeit der Falter reicht bei uns von Mitte Juni bis Mitte Juli.

Selbst dort wo die Art noch vorkommt, wird sie häufig übersehen. Wie Stefan Häcker beobachten konnte fliegen die Falter in 2 bis 5 m Höhe im oberen Bereich von alten Schlehenhecken. Trotz der bei Sonnenschein erhöhten Flugaktivität fallen die im Flug einheitlich braun wirkenden, unsteten Falter in dem Blättergewirr kaum auf. Nur im Fernglas sind die orangenen Flecken und die feine weiße Linienzeichnung auf der Flügelunterseite zu sehen.

Selbst schmetterlings-affine Beobachter laufen an den letzten Flugstellen oft achtlos vorbei, weil die Aufmerksamkeit auf blütenbesuchende Falter gerichtet ist.

Wenn Sie also jemandem begegnen sollten, der mit abwesendem Blick über sie hinweg schaut, an Hecken entlang läuft und die aktuelle Blütenpracht nicht beachtet, sollten Sie nicht irritiert sein. Es ist jemand der auf der Suche nach den letzten Fortpflanzungsgemeinschaften des Pflaumenzipfel-Falters ist. Auch Sie sollten an geeigneten Standorten Ausschau halten - wir sind für jede Meldung dankbar.

Alte südexponierte Schlehenhecke
Blühende Schlehe
Schlehenfrüchte | Fotos: M. Füller

 In Ostwestfalen wird der Pflaumen-Zipfelfalter in der Regel über Löss- und Kalkböden gefunden. So gesehen weist der Kreis Lippe eigentlich ideale Standortbedingungen auf. Zum Verhängnis wird jedoch auch dieser Art der Verlust der Übergangsbereiche. Immer seltener werden blütenreiche, den Hecken vorgelagerte Säume und benachbarte halboffene Magerweiden oder Halbtrockenrasen. Fast unbemerkt stirbt so eine faszinierende Schmetterlingsart aus.

Im Jahr 2013 haben wir bereits über andere Zipfelfalter berichtet. Helfen Sie uns die Kenntnisse über die Verbreitung unserer gefährdeten Tagfalterarten zu verbessern!