Wo die Grundel beißt - In der Weser ist nichts mehr wie früher

 

Erfolgreich unter Wasser und schnell am Köder - Schwarzmund-Grundel am Haken | Foto: J. Hokamp
Schwarzmund-Grundel zur Beobachtung im Hälterungsbecken | Foto: H. Sage

An den Anblick von Nilgänsen, Kanadagänsen, Drüsigem Springkraut und dem Riesenbärenklau in unseren Fluss- und Bachtälern haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Diese und viele weitere Arten stammen ursprünglich aus fernen Regionen, sind aber als „Neubürger“ fest etabliert – oft nicht zur Freude der Bevölkerung und der Naturschützer. Die gravierendsten Veränderungen spielen sich jedoch nicht an Land sondern unter Wasser ab und werden von den meisten Menschen kaum wahrgenommen. Die Muschel- und Fischfauna wird seit einigen Jahrzehnten regelrecht auf den Kopf gestellt. Mit dem Ballastwasser von Transportschiffen eingeschleppt oder selbständig über den Rhein-Main-Donau-Kanal eingewandert erobern zahlreiche fremdländische Tierarten Mitteleuropa. Immer mehr Arten werden auch in Lippe heimisch.

An der Weser bald Verhältnisse wie am Rhein?

Freiwillig auf die Hand geschwommene Schwarzmund-Grundel | Foto: J. Hokamp

Für großes Unbehagen sorgen vor allem eingeschleppte Fischarten. Im Rhein leben neben etlichen weiteren exotischen Fischarten heute vier Grundelarten, die einen Großteil der Fischbiomasse stellen. Nun wird auch an der Weser vermehrt die aus dem Schwarzmeer-Raum stammende Schwarzmund-Grundel gefunden, die sich offenbar innerhalb kürzester Zeit etabliert hat. 2012 wurde die Art erstmals in der Weser (bei Bremen) festgestellt. Nur vier Jahre später ist sie nach Auskunft des lippischen Fischereivereins auch hier zur Massenart geworden. Wer an der Weser Rotaugen angeln will, hat die kleinere Grundel oft zuerst am Köder.

Körbchenmuscheln aus der Weser
Kolonie der Zebra- oder Wandermuschel

Wer am Weserufer spazieren geht, wird jedoch weniger Fische als vielmehr Muscheln finden. Auch hier bestimmen Neozoen heute das Bild. Zwar findet man noch regelmäßig Schalen der heimischen Flussmuschel, doch die mit dem Schiffsverkehr eingeschleppte Zebramuschel, auch als Wander- oder Dreikantmuschel bekannt, bildet in vielen Gewässern große Kolonien. Seit einigen Jahren fallen auch große Bestände der ostasiatischen Körbchenmuscheln auf.

Ökologische Auswirkungen - was steht uns bevor?

Schwarzmund-Grundeln lieben Buhnenfelder mit groben Steinschüttungen

Heftig diskutiert werden die  ökologischen Auswirkungen dieser Faunenveränderungen. Dass Zebramuscheln heimischen Muscheln schaden, indem sie sie als Haftunterlage nutzen, ist unbestritten. Grundeln konkurrieren mit heimischen Fischarten um Nahrung, die aus Insektenlarven, Flohkrebsen usw. besteht. Andererseits stellen sie für Zander und Flussbarsch eine willkommene Beute dar. Alles in allem sind die ökologischen Beziehungen in der Lebewelt unter Wasser hochkomplex, zumal bei Muscheln und Fischen die einzelnen Entwicklungsstadien unterschiedliche ökologische Ansprüche haben. Die kommenden Jahre werden zeigen, in welchem Maße die heimischen Arten und Lebensgemeinschaften durch Neozoen gefährdet sind. 

Zu stoppen sind diese Arten - gerade in Fließgewässern - in der Regel nicht.  Mit den Grundeln sind bei uns übrigens auch Rezepte aus dem Schwarzmeer-Gebiet oder dem Kaspischen Raum "eingewandert", denn in ihren Ursprungsgebieten sind Grundeln hochgeschätzte und zudem leicht zu erbeutende Speisefische.