Bedeutung der Winterquartiere zu den Schwärmzeiten der Fledermäuse

Nähere Untersuchungen zur herbstlichen Schwärmphase der Fledermäuse im Umfeld überregional bedeutender Winterquartiere im Bereich der Egge zeigen, dass diese Quartiere nicht nur im Winter für Fledermäuse eine hohe Bedeutung haben. Durch die Analyse der Schwärmpopulationen werden zudem Erfassungsdefizite bei der Kontrolle der Winterquartiere deutlich. Erst die nähere Untersuchung der Individuenzahl und Artenzusammensetzung der Schwärmgemeinschaften ermöglicht eine Abschätzung der Bedeutung der späteren Winterquartiere.

Das Untersuchungsgebiet

Zu den untersuchten Habitatstrukturen gehören neben Höhlen auch spaltenreiche Felswände. Im Umfeld der Quartiere wurden im Jahr 2011 26 Netzfänge durchgeführt. Die gefangenen Fledermäuse wurden unter Beachtung artenschutzrechtlicher Erfordernisse schonend mit Nagellack an den Krallen farbig markiert und umgehend wieder freigelassen. Bei Wiederfängen konnte so eine Zuordnung zur Fangnacht und zum Fangort erfolgen.

Größe der Schwärmpopulationen

Insgesamt wurden 3082 Fledermäuse von acht verschiedenen Arten gefangen. Die Fangzahlen an nicht kontrollierbaren Winterquartieren (Sonnenloch 276 und Silberort 714 Tiere in 3 Fangnächten) geben eine Ahnung von der potentiellen Bedeutung dieser Strukturen als Winterquartier.

Bei den optisch kontrollierbaren Winterquartieren übertrifft die Größe der Schwärmpopulationen die bisher festgestellte Maximalzahl der Überwinterer bei Weitem.

Phänologie der herbstlichen Schwärmphase

Auf die Schwärmzeit der Bartfledermäuse in der ersten Augusthälfte folgt die Schwärmphase der Wasserfledermäuse, bis dann im September das Schwärmgeschehen von der Fransenfledermaus bestimmt wird. Mit Werten zwischen 15 und 40 % je Fangnacht hat das Große Mausohr eine zeitlich weit ausgedehnte Schwärmphase, die von August bis mindestens Ende September dauert. Da im Oktober keine Netzfänge durchgeführt wurden, kann eine Ausdehnung der Schwärmzeit in Richtung Winter nicht ausgeschlossen werden. 

Zeitliche Änderung der Artenzusammensetzung der Schwärmgemeinschaften an der Hohlsteinhöhle im Jahr 2011 (P = Parallelfänge an anderen Quartieren)

Schwärmverhalten und Einflüge in die Quartiere

Fänglinge auf der den Quartieren zugewandten Seite der Netze und lehmige Anhaftungen am Fell vieler Fledermäuse sind Belege für einen vorhergehenden Aufenthalt in einer Höhle / Felsritze und deuten daraufhin, dass das Schwärmen in unmittelbarem Zusammenhang mit Einflügen in die Winterquartiere steht. Bereits während der Schwärmphase "übertagen" Fledermäuse in den späteren Winterquartieren. So wurden am 23.09.2011 an der Hohlsteinhöhle unmittelbar mit Aktivitätsbeginn 61 Ausflüge aus der Höhle registriert. Zum Ende der Schwärmphase nimmt die Zahl der Ausflüge (und damit vorhergehender Einflüge) deutlich zu. Bei den Netzfängen im Juli waren keine Einflüge feststellbar.

Gegenüberstellung sicherer Ausflüge aus der Hohlsteinhöhle zu den Gesamtfangzahlen.

Austausch zwischen den Schwärmpopulationen

Die mit 3,08 % sehr geringe Wiederfangrate in derselben Fangnacht am Fangort könnte durch einen sehr schnellen Austausch der anwesenden Fledermäuse, durch Lerneffekte oder durch die Größe der Schwärmpopulationen und einer entsprechend geringen Wiederfang-Wahrscheinlichkeit begründet sein.

  • Lediglich 0,44 % (= 14 Tiere) aller gefangenen Fledermäuse konnten an zwei oder mehreren Schwärmorten gefangen werden.
  • Selbst zwischen nur 175 m auseinander liegenden Schwärmbereichen konnten nur 10 Fledermäuse (von insgesamt 2134 vor beiden Quartieren gefangenen Tieren) in beiden Schwärmpopulationen nachgewiesen werden.

Schlussfolgerungen

Spalten in Felswänden haben eine oft unterschätzte Bedeutung für Fledermäuse |Foto: M. Füller
  • Auch während der Schwärmphasen im Frühjahr und Herbst finden Einflüge und Übertagungen in den potentiellen Winterquartieren statt.
  • Die minimale Größe der Schwärmpopulationen lag weit über der Größenordnung der bisher bekannten Winterpopulationen. Die Artenzusammensetzung deutet zugleich darauf hin, dass bei den Winterkontrollen nur ein Teil der realen Wintergemeinschaft erfasst wird.
  • Aus dem Fehlen von sichtbaren Fledermäusen kann nicht abgeleitet werden, dass keine Fledermäuse in den Höhlen anwesend sind, da sich diese möglicherweise in nicht kontrollierbaren Spalten aufhalten, so dass abseits der großen Konzentrationsphasen während des Winters der falsche Eindruck entsteht, die Höhlen seien leer.
  • Die Bedeutung der spaltenreichen natürlichen und anthropogenen Felsstrukturen im Untersuchungsraum für Fledermäuse wurde bislang  unterschätzt. Diese für den Menschen nicht zugänglichen Strukturen können in ihrer Bedeutung durchaus den großen Höhlenbildungen der Region entsprechen.

Veröffentlichungen

Eine zusammenfassende Analyse der Daten können Sie im aktuellen 51. Bericht des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend e.V. über die Jahre 2011 und 2012 nachlesen.

Fölling, A., Reifenrath, R., Becker, A., Füller, M.: Zur Bedeutung der Höhlen im lippischen Eggevorland als Schwärmquartiere für Fledermäuse. Ber. Naturwiss. Verein für Bielefeld u. Umgegend 51 (2013), S. 142-155.