Kooperation zur Verbesserung des ökologischen Zustandes des Hiddeser Bentes

Problematisch ist der vermehrte Anflug von Weymouthskiefern | Foto: H. Sonnenburg

Seit dem Jahr 2011 setzen der Landesverband Lippe, der Kreis Lippe und die Biologische Station Lippe ein Maßnahmepaket um, mit dem der ökologische Zustand des letzten lebenden Hochmoores in OWL weiter verbessert werden soll. Hierzu gehören

  • die Entnahme von nicht heimischen Baumarten in den umgebenden Moorwäldern (insbesondere Weymouthskiefern),
  • Staumaßnahmen zur Verringerung der Moorentwässerung
  • und natürlich die Freistellung des eigentlichen Moorkörpers.

Die Forstabteilung des Landesverbandes Lippe wird die forstlichen Maßnahmen durchführen. Die Finanzierung der Vernässungsmaßnahmen erfolgt mit Fördergeldern für den Naturschutz über den Kreis Lippe und die Bezirksregierung.

Wir danken, Herrn Forstamtsrat Hermann Kaiser und Herrn Jens Omilian (Untere Landschaftsbehörde des Kreis Lippe ) für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Pflegeeinsätze im Moor

In den letzten Jahren dringen zunehmend Gehölze in die offenen Moorbereiche des letzten lebenden Hochmoores in Ostwestfalen vor. Diese Gehölze entziehen dem Moor Wasser und filtern Nährstoffe aus der Luft, die sich im Boden anreichern. Gerade die hohe Wassersättigung und die Nährstoffarmut gehören jedoch zu den wichtigsten Eckpfeilern des bedrohten Lebensraumes Hochmoor.

Alles in Handarbeit
Entbuschung und
schonender Abtransport
des Schnittgutes

Da auf den sensiblen Moorböden der Einsatz von Maschinen nicht möglich ist, freuen wir uns, dass uns die Jugendfeuerwehr Hiddesen bei der Zurückdrängung des Gehölzaufwuchses unterstützt. Viele helfende Hände tragen durch Herausreißen und Abschneiden der jungen Bäumchen dazu bei, dass die zentralen Moorbereiche wieder schonend freigestellt werden können.

Die Akteure der Jugendfeuerwehr Hiddesen im Februar 2017 im Bent. | Foto: H. Sonnenburg

Birken erfolgreich zurückdrängen

Birken zwei Jahre nach dem Schnitt. Das Abschneiden der Birke in Kniehöhe anstatt bodennah verhindert unerwünschten Stockausschlag. | Foto: H. Sonnenburg
Trotz der feuchtkalten
Witterung wurde
viel geschafft.

2016 und 2017 - Zurückdrängung der Weymouthskiefer

Anfang 2016 wurden Wald- und Weymouthskiefern (Stroben) am Rand des Moorkörpers im Westbent entnommen. Durch die Verdunstung entziehen diese älteren Bäume dem Moor besonders viel Wasser. Zugleich stellt ihr Schattenwurf eine starke Beeinträchtigung der sensiblen Hochmoorvegetation dar. 

Dank der Entnahme der zerstreut im NSG stockenden Alt-Stroben seitens des Landesverbandes Lippe ist in den nächsten Jahren mit einem wesentlich verringerten Sameneintrag in die Moorflächen zu rechnen. In diesem Jahr hat die Biologische Station in Absprache mit dem Landesverband Lippe in Zusammenarbeit mit der Euwatec damit begonnen, einen ganzen Abschnitt des die Moorflächen umgebenden Birken-Kiefernswaldes von jungen Stroben befreien. Bei konsequenter Fortsetzung solcher Aktionen kann mittelfristig das Moor wieder weitgehend frei von Stroben werden.

Die Weymouthskiefer oder Strobe (Pinus strobus) ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet. Bereits im 16. Jahrhundert wurde sie als Forstbaum in Europa eingeführt. In gestörten Hochmooren Norddeutschlands kann sie eine hohe Dominanz erreichen, da sie mit Nässe und geringen pH-Werten gut klar kommt.

Verbesserung des Wasserhaushaltes

Der trockene Herbst 2011 bot ideale Bedingungen für Arbeiten am Moor. So konnte am 29.11. die Firma Uphoff mit schwerem Gerät anrücken. Über einen sandigen Geländerücken erreichte der wendige Bagger ohne größere Bodenverletzungen den Maßnahmebereich. Ziel war, durch den Verschluss einer Geländerinne, die Stauhöhe im Moorkörper um etwa 20-30 cm anzuheben und so die entwässernde Wirkung in dem im Randbereich nach Südwesten abfallenden Moor zu verringern.

Spundwände sollen die Entwässerung des Moores verringern
Verschraubung der Elemente
Bereit zur Verfüllung, doppelte Spundwand
Verfüllung

Durch den Einbau von zwei Holzspundwänden mit dazwischenliegendem Erdwall wurde eine alte, weiter bachabwärts liegende, inzwischen marode Staueinrichtung ersetzt. Da parallel eine weitere Entwässerungsrinne verschlossen wurde, hoffen wir so, trotz der immer geringeren Regenfälle in den Sommermonaten, die für Hochmoore wichtigen Standortbedingungen - in erster Linie Nährstoffarmut und hohe Wassersättigung - im Hiddeser Bent langfristig erhalten zu können.

Deutlich ist der höher liegende Moorköroer hinter der Spundwand zu erkennen.
Der Anstau beginnt.

Förderung durch die Adolf-Deppe Stiftung

Wir danken der Adolf-Deppe-Stiftung für ihre großzügige finanzielle Unterstützung, ohne die die Durchführung dieser aufwändigen Maßnahme nicht möglich gewesen wäre. Hierbei ist die Flexibilität der Stiftung besonders zu loben, die es uns ermöglichte während der Baumaßnahme notwendig gewordene Veränderungen durchzuführen.

2013 - Instandsetzung der Aussichtsplattform

Aussichtsplattform im Bent | Foto: U. Röder

Zum Schutz der sensiblen Hochmoorvegetation erfolgt seit Jahren eine effektive Besucherlenkung im Gebiet. Damit trotzdem das Erlebnis einer Hochmoorlandschaft möglich ist, wurde 1996 ein Bohlenweg mit einer Aussichtskanzel angelegt. Infolge der Witterungseinflüsse war diese Einrichtung so marode geworden, dass ein kompletter Neuaufbau notwendig war. Unterstützt durch ELER-Mittel konnte diese aufwändige Maßnahme im September und Oktober 2013 in Kooperation mit dem Kreis Lippe und dem Landesverband Lippe durchgeführt werden. Der Aufbau der Plattform und des Bohlenweges erfolgte durch die Firma Plöger (Hiddesen). Die Leiteinrichtungen wurden durch Mitarbeiter der Biologischen Station Lippe errichtet.

Zustand vor der
Instandsetzung
Neue Plattform
Bohlenweg
Besucherlenkung

Und es geht weiter....

In den kommenden Jahren werden weitere Entwässerungsgräben verschlossen und sensible Moorbereiche freigestellt werden.

Dank der guten Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen besteht Hoffnung, die wertvollen Lebensräume des Hiddeser Bentes langfristig erhalten zu können. Insbesondere dem Landesverband Lippe als Eigentümer der Flächen, sei für die Bereitschaft das Maßnahmekonzept mitzutragen, herzlich gedankt.