NSG Eggeosthang mit Lippischer Velmerstot

Lage und Abgrenzung

Das 144 ha große NSG Eggeosthang mit Lippischer Velmerstot umfasst den steilen Osthang im Norden des Eggegebirges. Die im Südwesten des Gebietes liegende Lippische Velmerstot gehört mit 441,4 m zu den höchsten Erhebungen der Egge. Auf ihrer Kuppe erstreckt sich eine 5,8 ha große Bergheide. Das NSG ist zugleich als FFH-Gebiet (DE-4119-302) ausgewiesen und somit Teil des europäischen Netzwerkes Natura 2000.

Charakteristika des NSG

Die Lage des NSGs im Übergangsbereich zwischen atlantischer und subkontinentaler Klimaregion bestimmt den Artenreichtum des Gebiets. Einige Arten wie die Hängesegge oder das Springschaumkraut erreichen hier ihre Verbreitungsgrenzen. Charakterisiert werden die Kuppenlagen durch das raue Klima mit hohen Niederschlägen und niedrigen Durchschnittstemperaturen.

Wasseramsel | Foto: B. Brautlecht

Der Osthang wird von artenarmen Hainsimsen-Buchenwäldern geprägt, die von Fichtenforsten durchsetzt sind. Im unteren Teil des Hanges gehen diese in Waldmeister-Buchenwälder über. Eichen wachsen vermehrt im Norden, nahe dem Silberbach. Dieser mäandriert naturnah entlang der Gebietsgrenze und bietet Brutmöglichkeiten für Wasseramseln. Entscheidende Schutzgründe sind umfangreiche Blocksteinhalden und Sandsteinstrukturen im Umfeld alter Steinbrüche, die eine große Bedeutung für die Moosflora sowie die Fledermauspopulationen haben. In der Umgebung der zahlreichen am Hang entspringenden Quellen treten seltene Arten wie der Wiesen-Schachtelhalm und Torfmoose auf.

Die Bergheide auf der Velmerstot ist ein Relikt einer Kulturlandschaft, die ehemals die gesamten Kammlagen des Teutoburger Waldes und der Egge bedeckte. Diese Heidelandschaft ist durch die bis in die erste Hälfte des 19. Jhd. durchgeführte extensive Weidewirtschaft entstanden. Nach der Wiederaufforstung stellen die letzten Bergheidereste einen wichtigen Lebensraum für typische Offenlandarten dar. Auf der von Blaubeere und Besenheide dominierten Kuppe sind unter anderem Borstgras, Kurzflüglige Beißschrecke, Großer Schillerfalter und Feld-Sandlaufkäfer anzutreffen.

Opferstein | Foto: M. Füller
Sandlaufkäfer | Foto: B. Brautlecht
Silberbach | Foto: M. Füller
Hängesegge | Foto: M. Füller
Blocksteinhalde | Foto: M. Füller
Kurzflügelige Beißschrecke | Foto: M. Füller

Und was macht die Biologische Station dort?

Kartierungen / Gutachten

Schwarzspecht | Foto: R. Haase

2014 führt die Biologische Station umfangreiche faunistische Kartierungen im Gebiet durch. Neben der Vogelwelt werden Daten zur Besiedelung durch Amphibien, Reptilien, tagaktive Falterarten, Heuschrecken und Fledermäuse erfasst. Die überregionale Bedeutung des an das Gebiet angrenzenden Steinbruches Silberort als Überwinterungs- und Schwärmquartier für Fledermäuse war Gegenstand eines in den Jahren 2011-2013 von der Biologischen Station durchgeführten Forschungsprojektes.

Biotoppflege

Zur Erhaltung der Bergheide wird die Kuppe der Lippischen Velmerstot in mehrjährigen Rhythmen von der Schaf- und Ziegenherde unserer Station beweidet. Hierdurch soll eine Verjüngung der Zwergsträucher eingeleitet, und eine zunehmende Vergrasung und Verbuschung der Bergheide verhindert werden.

Beweidung | Foto: A. Lücke
Bergheide | Foto: M. Füller
Beweidung | Foto: M. Füller

Kooperation

Die Maßnahmenumsetzung ist nur durch die gute Kooperation mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe und der Forstverwaltung des Landesverbandes Lippe möglich.

Literatur

  • Biologische Station Lippe, Lippischer Heimatbund (2010): Naturschutzgebiete in Lippe - Entdeckungsreise durch eine Natur- und Kulturlandschaft. Holzminden. S. 70-73