NSG Emmertal

Lage und Abgrenzung

Das 473 ha große NSG umfasst die Emmeraue zwischen dem Schiedersee und der Landesgrenze bei Bad Pyrmont. Mit der Wörmkeaue und Teilen des Eschenbachtales wurden zwei größere Zuflüsse der Emmer zumindest partiell in das Schutzgebiet einbezogen. 352 ha des NSG wurden zugleich als FFH-Gebiet (DE-4021-301) ausgewiesen. Mit dem angrenzenden niedersächsischen NSG Emmertal handelt es sich um eines der wenigen länderübergreifenden Naturschutzgebiete.

Emmeraue bei Hochwasser| Foto: M. Füller
Verbuschte Halbtrockenrasen im Eschenbachtal| Foto: M. Füller
Artenreiche Auenböschung im Wörmketal| Foto: M. Füller

Charakteristika des NSG

Ausschlaggebend für die Meldung als FFH-Gebiet war die Ausdehnung und der gute Ausbildungsgrad der flutenden Wasserpflanzgesellschaften in der Emmer. Trotz der ökologischen Beeinträchtigungen durch den Schiedersee kommen in dem unterhalb liegenden Flußabschnitt noch ausgedehnte Teppiche des Flutenden Hahnenfußes vor. Besonders bemerkenswert ist zudem das Vorkommen des Durchwachsenen Laichkrautes (Potamogeton perfoliatus).

Aus naturschutzfachlicher Sicht sind zudem die artenreichen Feuchtgrünlandgesellschaften an den schlecht entwässerten Auenrändern und auf den Gleyböden der Pyrmonter Wiesen hrvorzuheben. Das Lebensraumspektrum wird durch orchideenreiche Halbtrockenrasen und Silikatmagerrasen auf den Böschungen der Seitentäler bereichert. Zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten bauen hier individuenstarke Populationen auf.

Und was macht die Biologische Station dort?

Kartierungen / Gutachten

Seit 1993 erfassen wir Tier- und Pflanzenarten im Gebiet und haben flächendeckende Pflege- und Entwicklungspläne erstellt. Im Jahr 2007 wurde der Erhaltungszustand der FFH-Lebensraumtypen überprüft. In Teilflächen erfolgt ein Monitoring besonderer Arten.

Im Jahr 2012 wurde die Amphibien- und Reptilienfauna kartiert. Aktuell erfolgt eine Erfassung der Wasserpflanzen- und der Libellenvorkommen. Auf Grundlage dieser Daten kann einige Jahre nach Fertigstellung der Emmer-Umflut am Schiedersee eine Wiederholungsuntersuchung erfolgen.

Grün-Widderchen | Foto: M. Füller
Sumpf-Schrecke | Foto: M. Lohr

Wasserpflanzen als Indikatoren für den Gewässerzustand

Überraschend konnten in der Emmer und in den Auengewässern insgesamt 24 Wasserpflanzenarten festgestellt werden, darunter 14 gefährdete. Besonders hervorzuheben sind die großen Vorkommen des Flutenden Hahnenfußes in der Emmer. Als regionale Seltenheit konnte das seit langem aus der Emmer bekannte Durchwachsenblättrige Laichkraut nicht nur bestätigt werden, sondern es wurden zahlreiche weitere Fundstellen entdeckt.

Die nur flach überrieselten Schnellen der Emmer weisen einen besonders wertvollen Wasserpflanzenbewuchs auf. Im Strömungsschatten von Inseln und in ruhigen Buchten sind jedoch auch Algenteppiche festzustellen, die auf eine Gewässerbelastung hinweisen.

Die Ergebnisse der Wasserpflanzenkartierung sind in den Berichten des Naturwissenschaftlichen Vereins Bielefeld veröffentlicht (download hier).

Dank Polfilter sichtbar: große Bestände des Flutenden Hahnenfußes | Foto: H. Sonnenburg
Eine Rarität in OWL - das Durchwachsenblättrige Laichkraut | Foto: H. Sonnenburg
Der Flutende Hahnenfuß bildet große Bestände in der Emmer | Foto: M. Füller

Artenreiche Libellenfauna

Herbstmosaikjungfer | Foto: H. Sonnenburg

Überraschend wurden im NSG Emmertal im Untersuchungsjahr 2013 bereits 26 Libellenarten festgestellt. Die erhofften spezialisierten Fließgewässerlibellenarten (Quelljungfern, Keiljungfern, Zangenlibellen) an der Emmer blieben weiterhin aus. Dafür überraschten die Stillgewässer teilweise durch das Auftreten regional seltener Arten. Zu den highlights zählten Nachweise von Torfmosaikjungfer, Kleiner Binsenjungfer und Großer Moosjungfer.

Maßnahmen

In den letzten 17 Jahren wurden in Zusammenarbeit mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe, ortsansässigen Landwirten und weiteren Kooperationspartnern Hecken und Obstbäume gepflanzt bzw. gepflegt, Kopfweiden geschnitten, Ackerflächen in Grünland umgewandelt, ein Altwasser saniert, Fichtenbestände in standortgerechtere Mischwaldgesellschaften umgewandelt, Magerrasen entbuscht, u.v.a.m..

Mit unserer Schaf- und Ziegenherde pflegen wir gegenwärtig rund 10 ha wertvoller Biotope im NSG. Von den zahlreichen Maßnahmen seien hier nur exemplarische Beispiele vorgestellt.

Sanierung eines Emmer-Altwassers (1994)

 

Vollständig verlandetes Altwasser
Profilierung des ehemaligen Flussbettes
im ersten Jahr
Beginnende Vegetationsentwicklung

Renaturierung Biotopkomplex Ratsieker Mühlenteich (1998)

Ackerfläche auf Gleyböden in der Wörmkeaue
Anlage von Mulden - Strukturanreicherung
Umwandlung in grünlandgeprägte Aue
Gewässerverträgliche Auennutzung

Pflege von Magergrünland / Entbuschung und extensive Beweidung

Freistellung
verbuschter Magerweiden
in der Wörmkeaue
Beweidung mit der stationseigenen Schaf- und Ziegenherde

Pflege von Halbtrockenrasen

Freigestellter Halbtrockenrasen
Einsatz der Ziegen der Station
Blütenreicher Halbtrockenrasen
Bienen-Ragwurz

Grünlandbewirtschaftung

Beweidung

Bewirtschaftung von Auenbereichen

Obstbaumschnitt / Heckenpflege / .....

Pflanzung (am Hof Brunsmeier)
Obstbaumschnitt
Pflegefläche in den Pyrmonter Wiesen
Heckenschnitt in Kooperation mit Lippe ProArbeit

Kooperation

Die Maßnahmeumsetzung war nur möglich durch die gute Kooperation mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit zahlreichen Landwirten. Auch dem Forstbetriebsbeamten Herrn D. Blum und den Vereinen der Region, insbesondere dem Verein für den Schutz des Weißstorches in Elbrinxen, dem Heimat- und Museumsverein Lügde und dem NABU Kreisverband Lippe, sei für die Unterstützung bei zahlreichen Projekten gedankt. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgte über die Förderprogramme des Naturschutzes.

Aktuelle Entwicklungen

Sanierung eines 50 m langen Altwasserabschnittes der Emmer

Im Oktober 2012 konnte - 18 Jahre nach der letzten Sanierung - dank der großzügigen Förderung durch die Adolf-Deppe Stiftung erneut ein Abschnitt des ehemaligen Emmerflußbettes in der Emmeraue am Kleff wiederhergestellt werden. Angesichts der rasanten Sukzessionsverläufe in den angrenzenden Altwasserbereichen und der allgemeinen Austrocknung der Aue konnte so ein ökologisch wertvoller Lebensraum mit zahlreichen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten gesichert werden. Eine ausführliche Erläuterung finden Sie hier....

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