Sanierung eines verlandeten Emmer-Altwassers

Oft weist nur noch die Vegetation auf das alte Flussbett hin | Fotos: M. Füller

Zu den ökologisch wertvollsten Teilen des NSG Emmertal gehört der Grünlandkomplex am Kleff. Dieser Auenbereich wurde beim Bau der Bahnlinie Hannover-Altenbeken (1870-72) von der übrigen Emmeraue abgeschnitten. Die früher hier durch die Wiesen fließende Emmer wurde auf die südlich der Bahntrasse liegende Auenseite verlegt. Begünstigt durch die abgelegene Lage und nur schwer zu bearbeitende, z.T. anmoorige Nassböden ist im Umfeld des alten Emmerbettes im Kleff bis heute ein außerordentlich artenreicher Auenlebensraum erhalten geblieben.

1994 - der erste Schritt zur Erhaltung der Altwässer am Kleff


Da aufgrund der eingeschränkten Dynamik der Emmer neue Altwasserstrukturen auf natürlichem Wege nicht mehr gebildet werden, hat die Biologische Station Lippe mit Mitteln des Kreises Lippe auf vom Land NRW angekauften Flächen bereits 1994 auf einem 140 m langen Abschnitt das ursprüngliche Flussbettprofil der Emmer wiederhergestellt und so einen Lebensraum für Besiedler von jungen Altwasserstadien geschaffen. Hierdurch entstand nicht nur der größte Amphibien-Laichplatz der Emmeraue sondern zugleich auch eine besondere Stillwasserlebensgemeinschaft mit zahlreichen Libellen und jahrweise wechselnden Blühaspekten von Wasser- und Sumpfpflanzen. Ein besonderer Erfolg war die Rückkehr des Kammmolches in die Emmeraue.

Profilierung des alten Flussbettes
Klarwasserstadium 1998
Von Röhrichten überwuchert 2012 | Fotos: M. Füller

Im Gegensatz zu den im Sommer austrocknenden vergleichbaren Biotopstrukturen in der übrigen Emmeraue blieb in dem ausgebaggerten Altwasser bislang in allen Jahren ein mindestens 60 cm tiefer Wasserkörper erhalten. Hierdurch entstand nicht nur der größte Amphibien-Laichplatz der Emmeraue sondern zugleich auch eine besondere Stillwasserlebensgemeinschaft mit zahlreichen Libellen und jahrweise wechselnden Blühaspekten von Wasser- und Sumpfpflanzen. Ein besonderer Erfolg war die Rückkehr des Kammmolches in die Emmeraue.

Erdkröten-Laichgesellschaft | Foto: M. Füller
Kammolch | Foto: B. Brautlecht
Pflanzengesellschaft mit Dreifurchiger Wasserlinse| Foto: M. Füller

2012 - der nächste Sanierungsabschnitt


Die Zeit bleibt nicht stehen...Altwässer gehören zu den hochproduktiven Gewässern. Gerade über fruchtbaren Auenböden wachsen sie sehr schnell zu und verlanden. Dieser Prozess ist auch in dem sanierten Altwasser am Kleff zu beobachten. In der Folge sind die anspruchsvolle Arten früher Altwasserstadien inzwischen verschwunden.

Aus diesem Grund wurde im Oktober 2012 mit Mitteln der Adolf-Deppe-Stiftung in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem 1994 bereits optimierten Altwasserbereich ein weiterer 50 Meter langer Abschnitt saniert. So wird auf engem Raum eine Vielfalt unterschiedlicher Altwasserstrukturen angeboten, die von ganz unterschiedlichen Organismen besiedelt werden kann.

Maßnahmebeginn - im Hintergrund unsere Schafe
Profilierung des alten Flussbettes
Der gewundene Verlauf wird sichtbar
Abtransport des Bodens
Aufbringung auf Ackerland
Zustand im Jahr 2014| Fotos: M. Füller

2015 - erster Sanierungsabschnitt südlich der Bahnlinie


Erstmals konnte im August 2015 ein Altwasserbereich im unmittelbaren Einflussbereich der Emmer saniert werden. Im Gegensatz zu den Maßnahmen der Vorjahre ist dieses Altwasser nicht durch den Bahndamm von der eigentlichen Aue abgetrennt. Eine Entschlammung war dringend erforderlich, da der in den 1990er Jahren noch bis in den Mai hinein wasserführende Bereich inzwischen schon Ende März weitgehend abgetrocknet war und damit als Amphibien-Laichplatz nicht mehr geeignet war.

Zustand des Altwassers
im März 2012| Fotos: M. Füller

Bei der Entnahme der Sedimente wurde der anhand der Vegetation und Geländemorphologie sichtbare alte Verlauf der Emmer nach profiliert. Bei der Durchführung wurde darauf geachtet, eine möglichst unversehrte Schicht wasserstauender Sedimente zu erhalten. Dies ist wichtig, weil der Maßnahmebereich, wie alle Altwässer der Emmeraue, heute deutlich über dem Mittelwasserspiegel der stark eingetieften Emmer liegt.

Nur bei außergewöhnlichen Hochwässern oder bei steigenden Grundwasserspiegeln bei erhöhten Abflusswerten kann eine zusätzliche Vernässung erfolgen. In den Zwischenphasen verhindern die lehmigen, den Untergrund abdichtenden Schichten im alten Flussbett ein vorzeitiges Austrocknen.

Durch die Entnahme der Sedimente ist der in den letzten Jahren verwaiste Amphibien-Laichplatz nun wieder besiedelbar. Im nächsten Frühjahr - nach hoffentlich ergiebigen Niederschlägen - kann es los gehen....

Baustelleneinrichtung
Profilierung des alten Flussbettes
Die Entwicklung kann beginnen| Fotos: M. Füller

Bodenrecycling

Zurück auf den Acker | Foto: M. Füller

Bei den in der Emmeraue abgelagerten Sedimenten handelt es sich überwiegend um fruchtbare Lößlehme aus dem Steinheimer Becken, die bei Hochwassern in den letzten Jahrhunderten in der Aue abgelagert wurden. Auch der im alten Emmerflussbett gebildete Boden ist, wenn er entwässert ist, sehr fruchtbar. Es bot sich also an, das entnommene Bodenmaterial wieder auf eine Ackerfläche aufzubringen. Nun zwar nicht mehr im Steinheimer Becken, sondern in der Nähe von Lügde.

Danksagung

Die Durchführung dieser Maßnahme war nur möglich, weil ungewöhnlich viele Kooperationspartner uns unterstützt haben. Hierzu gehören der Kreis Lippe (Finanzierung, Genehmigung), der Landesverband Lippe, auf dessen Flächen die Maßnahme durchgeführt wurde und die beteiligten Landwirte, Herr Otto Brunsmeier und Herr Thorsten Klinge, die das Befahren der Maßnahmefläche erlaubt und einen Acker zur Ablagerung des Bodens zur Verfügung gestellt haben. Nur durch die Abstimmung ihrer Bewirtschaftung konnte sichergestellt werden, dass beide Flächen zeitgleich zur Verfügung standen. Wir danken auch der Firma Berndt Bau, die innerhalb des sehr knappen Zeitfensters die Maßnahme effektiv umgesetzt hat.

Bei Hochwasser wird auch das Kleff überflutet - beste Bedingungen für ein Altwasser mit Zukunft | Foto: M. Füller