NSG Schwalenberger Wald

Lage und Abgrenzung

Das 2924 ha große NSG umfasst das im Südosten des Kreises Lippe liegende, bis auf 446 m üNN ansteigende Massiv des Schwalenberger Waldes einschließlich des im Süden vorgelagerten Salkenbruches. Innerhalb des NSG liegen zwei FFH-Gebiete: das bereits frühzeitig abgegrenzte FFH-Gebiet Salkenbruch (DE-4121-301) mit 283 ha und das zu einem geringen Teil auf den angrenzenden Kreis Höxter übergreifende FFH-Gebiet Schwalenberger Wald (DE-4121-302) mit 2726 ha.

Der Schwalenberger Wald von Südosten gesehen | Foto: R. Haase
Das Luftbild zeigt die Ausdehnung der heute von Fichten bedeckten ehemaligen Freiflächen des Mörthes | Foto: R. Haase
Erlenwald in der Steinbachaue im Salkenbruch | Foto: M. Füller

Charakteristika des NSG

Ausschlaggebend für die Meldung als FFH-Gebiet war die Ausdehnung und der Ausbildungsgrad der Hainsimsen- und Waldmeister-Buchenwaldgesellschaften an den Hängen des Bergmassives. Die plateauartige Kuppe wird von basenarmen Sandsteinen des Oberen Keupers gebildet. Aufgrund von zwischengelagerten Tonschichten neigen die Böden zu Staunässe. Hier entwickelten sich kleinflächig Moorböden. Auch wenn es ein typisches Hochmoor auf dem Mörth nie gegeben hat, kommen hier gleichwohl bis heute typische Tier- und Pflanzenarten von Moorrandbereichen vor. Das südlich vorgelagerte Salkenbruch im geologischen Senkungsbereich des Falkenhagener Liasgrabens wird durch Quellbäche mit begleitenden Erlenwaldgesellschaften und rund 14 ha in den Wald eingebetteten Feuchtgrünlandes charakterisiert. Als FFH-relevante Tierarten des NSG sind u.a. Hirschkäfer, Kammmolch, Geburtshelferkröte, verschiedene Fledermausarten und zahlreiche Arten der Vogelschutzrichtlinie zu nennen.

 

Und was macht die Biologische Station dort?

Kartierungen / Gutachten

Seit 1994 erfassen wir Tier- und Pflanzenarten im Bereich des Schwalenberger Waldes. Für kleinere Teilflächen wurden Entwicklungspläne erstellt oder Effizienzkontrollen durchgeführt: Mörth (1995), Grünlandbereiche des Salkenbruches (2000). Im Jahr 2006 wurden flächendeckende Untersuchungen zur Verbreitung des Kammmolches durchgeführt. Noch in den Anfängen befindet sich ein Fledermaus-Monitoring.

Kleine Moosjungfer
Nordische Moosjungfer

Maßnahmen

In Zusammenarbeit mit der Forstbehörde des Landesverbandes Lippe und mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe wurden insbesondere im Bereich des Mörthes Maßnahmen zur Wiedervernässung umgesetzt und mehrere Artenschutzgewässer angelegt.
Ergänzend wurden kleinflächig Wildgatter gesetzt, um den Einfluß des Wildverbisses auf die Zusammensetzung der Waldgesellschaften im Bereich des Mörthes zu untersuchen.
Im Salkenbruch wird  jährlich ein 0,4 ha großer Feuchtwiesenbereich in Handarbeit gemäht, um dort den letzten Bestand des Gefleckten Knabenkrautes innerhalb des NSG zu erhalten. 

Wiedervernässung

Nutzung vom Forst angelegter Rückeschneisen
Verschluss von Gräben
Bodenverdichtung
Handarbeit geht auch - dauert aber viel länger

Anlage von Artenschutzgewässern / Anlage von Wildgattern

Ein "Himmelsteich" witd angelegt
Ein neuer Lebensraum für den Kammolch
Wildgatter - Versuchsfläche zur
Förderung des Laubholzanteiles

Pflege von Feuchtgrünland / Errichtung von Weidezäunen zur Sicherstellung einer extensiven Beweidung

Nicht trittfestes Grünland
Schutz beweidungsempfindlicher Arten durch Mahd
Einzäunungen - Voraussetzung einer Beweidung

Kooperation

Die Maßnahmeumsetzung war nur möglich durch die gute Kooperation mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe und mit der Forstverwaltung des Landesverbandes Lippe. Wir danken insbesondere Herrn Forstdirektor G. Rossa und den Revierleitern Herrn H. Kaiser und Herrn F. Schierholz für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgte über die Förderprogramme des Naturschutzes und über Zuwendungen der Adolf-Deppe-Stiftung. 

Aktuelle Entwicklungen

Kleine Binsenjungfer | Foto: M. Füller
Gestreifte Quelljungfer | Foto: H. Sonnenburg

Daten zur Libellenfauna auf dem Mörth

Mit Nordischer Moosjungfer (Leucorrhinia rubicunda), Kleiner Moosjungfer (L. dubia), Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) und der 2006 erstmals nachgewiesenen Speer-Azurjungfer (Coenagrium hastulatum) sowie Vierfleck (Libellula quadrimaculata), Schwarzer Heidelibelle (Sympetrum danae) und Früher Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) weisen die sauren, huminstoffreichen Gewässer auf der Kuppe des Schwalenberger Waldes eine für gestörte Randbereiche von Mooren typische Libellenfauna mit zahlreichen in NRW gefährdeten Arten auf. Mit der Kleinen Binsenjungfer (Lestes virens) konnte im September 2010 eine weitere spezialisierte Libellenart auf dem Mörth nachgewiesen werden. Erste Hinweise auf Vorkommen dieser Art stammen von 1994. Nun ist es aber endlich auch bildlich festgehalten.

Im Juni 2011 konnte im Schwalenberger Wald erstmals ein Vorkommen der Gestreiften Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) festgestellt werden. Mit seinen zahlreichen Quellen bietet der Schwalenberger Wald dieser spezialisierten Libellenart zahlreiche Lebensräume. Ein Nachweis stand bis jetzt jedoch aus.

Literatur

  • Füller, M. (1996): Das Mörth. Geschichte eines lippischen Hangmoores. Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde 65, S.341-357.
  • Füller, M. (2010): Zur Herpeto- und Libellenfauna des NSG Schwalenberger Wald. Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 79, S.257-297.

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