NSG Winzenberg

Lage und Abgrenzung

Das 19 ha große NSG liegt am Westrand des Lügder-Pyrmonter Talkessels am Rand der Pyrmonter Höhen. Auf den ostexponierten, terrassenartig gegliederten Hängen erstreckt sich ein Mosaik unterschiedlich intensiv genutzten Grünlandes, das durch Hecken und Gebüsch-Sukzessionsflächen gegliedert wird. Im Zentrum des Gebietes liegt ein 4 ha großer Nadelmischwald. Die Nordgrenze des NSG bildet die Landesgrenze. Auf niedersächsischer Seite schließt das 3 ha große NSG „Nagelbrink“ an.

Blick auf das NSG Winzenberg. Rechts liegt der Gebüschkomplex des Nagelbrinkes, links schließen an den Wald verbuschende Dauerweiden an. | Foto: M. Füller

Charakteristika des NSG

Auf Geländerippen über flachgründigen Verwitterungsböden des Unteren Muschelkalkes wachsen artenreiche Halbtrockenrasen. Besonders wertvoll sind als Dauerweide genutzte Teilbereiche mit einer bemerkenswert kurzrasigen Vegetation und hohen Rohbodenanteilen. Das angrenzende Grünland wird, bei deutlich abnehmendem Geländerelief, z.T. intensiv als mehrschürige Mähweide genutzt.

Blick über den Pyrmonter Talkessel
Halbtrockenrasen
Fettwiese | Fotos: M. Füller

Pflanzenwelt

Das Artenspektrum der Halbtrockenrasen ist weitgehend intakt. Aspektbestimmende Arten sind u.a. Duftende Schlüsselblume, Rauer Löwenzahn, Kleiner Klappertopf, Knolliger Hahnenfuß, Frühlings-Segge, Stengellose Kratzdistel und Gold-Distel. Hinzu kommen Fransen-Enzian und Deutscher Enzian und viele weitere Blütenpflanzen.

Fransen-Enzian
Purgier-Lein
Frühlings-Fingerkraut
Hügel-Veilchen | Fotos: M. Füller

Tierwelt

Mit 24 Tagfalterarten gehört das NSG zu den wertvollen Schmetterlingslebensräumen in der Region. Allerdings handelt es sich zumeist um hochmobile Kulturfolger, die das zeitweilig hohe Blütenangebot nutzen. Anspruchsvollere früher hier noch nachgewiesene thermophile Arten (Kleiner Malven-Würfelfalter, Mattscheckiger Dickkopffalter, Gemeines Widderchen, Kleines Widderchen) konnten 2013 nicht mehr bestätigt werden. Bemerkenswert ist die Revierdichte des Neuntöters im Umfeld intakter Magerrasen.

Neuntöter | Foto: B. Brautlecht
Schachbrettfalter
Birken-Zipfelfalter | Fotos: M. Füller

Gefährdung

Während gut zu bewirtschaftende Bereiche zunehmend intensiver genutzt werden, sind viele ehemalige Halbtrockenrasen brachgefallen. Hier haben sich Gebüsche entwickelt, die aktuell etwa ein Fünftel der NSG-Fläche bedecken. Auch die noch freien Magerrasen sind durch die zurückgehenden Nutzung gefährdet. In den versaumenden Beständen können sich konkurrenzschwache, lichtliebende Tier- und Pflanzenarten nicht mehr fortpflanzen.

Versaumter Halbtrockenrasen mit Aspekt der Aufrechten Trespe
Gebüschgesellschaften auf ehemaligen Halbtrockenrasen | Fotos: M. Füller

Und was macht die Biologische Station dort?

Kartierungen / Gutachten

Im Jahr 2013 haben wir eine flächendeckende Biotopkartierung im Gebiet durchgeführt und den aktuellen Pflanzenbestand erfasst. Parallel hierzu wurden die Vorkommen von Schmetterlingen, Heuschrecken, Reptilien und Vogelarten erfasst.

Entbuschung / Regeneration der Halbtrockenrasen

Im Zentrum des NSG liegt ein 3 ha großer, beweideter Halbtrockenrasen-Gebüschkomplex. Trotz der Beweidung dringen auch hier die Gebüsche zunehmend in die Freiflächen vor. Zur Erhaltung dieses wertvollen Lebensraumes wurden durch Mitarbeiter der Euwatec gGmbH und der Biologischen Station Lippe im Dezember 2013 großflächige Entbuschungen durchgeführt. Hierdurch soll der Zugang des Weideviehs zu den isolierten Halbtrockenraseninseln verbessert und der Weidedruck erhöht werden. Zugleich sollen so verlässliche Bedingungen für die weitere Dauerweidenutzung durch den derzeitigen Bewirtschafter geschaffen werden.

Trittpfade des Viehs in Verbuschungsbereichen
Freigestellter Hangbereich; Dezember 2013
Mitarbeiter der Euwatec
bei der Arbeit | Fotos: M. Füller

Danksagung

Gerhard Bartelsmeier bei der Arbeit am Winzenberg | Foto: M. Füller

Wir danken dem Jobcenter Lippe und dem Netzwerk Lippe, die die Durchführung der Pflegemaßnahme mit Mitarbeitern der Euwatec gGmbh ermöglicht haben sowie der Stadt Lügde und dem Landwirt Hermann Blome für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung.

Vor allem gebührt der Dank jedoch den Teilnehmern und Mitarbeitern der Euwatec gGmbh und unserem Anleiter Herrn Gerhard Bartelsmeier, ohne deren Ausdauer und hoher Motivation die umfangreichen  Freistellungen nicht möglich gewesen wären.

Es bleibt noch viel zu tun

Im kommenden Jahr soll die Pflege fortgeführt werden. | Foto: M. Füller